Am vergangenen Wochenende wurde nicht nur der deutsche Wahlflügel von DiEM25 gegründet. Auch das DSC Berlin war aktiv und hat eine mehr als sechstündige Session zum Thema Creative Resistance aufs Parkett gelegt.

Zunächste zeigte uns Lorenz Nolting vom Peng!-Kollektiv wie man politischen Aktivismus mit intelligenten und präzise lancierten Aktionen in die breitere Öffentlichkeit katapultieren kann. So hackte Peng! zum Beispiel eine Greenwashing-Kampagne des Ölmultis Shell.

Lorenz erklärte uns außerdem den Streisand-Effekt. Dieses Phänomen sorgt dafür, dass je mehr sich ein Unternehmen oder eine Person gegen die Veröffentlichung und Verbreitung von unliebsamen Informationen wehrt, diese umso mehr verbreitet werden. Man nutzt so gewissermaßen die PR-Maschine des politischen Gegners um die eigene Message zu verbreiten.

Bevor es mit dem Vortrag von Viki Schimpf (DiEM25) weiterging, zeigte uns subliminal_guy in einer kurzen Intervention, wie auch Videospiele für progressive und kritische Interventionen genutzt werden können. Das Programmiererkollektiv Molleindustria hat eine ganze Reihe von Spielen unter dem Motto: »Political Videogames against the Dictatorship of Entertainment« entwickelt.

Viktor ging es vor allem darum uns an Filmbeispielen die Resonanz-Theorie von Hartmut Rosa zu illustrieren. Dies tat er u.a. anhand eines schockierenden Ausschnitts aus dem Film »Earthlings« von Shaun Monson, der ihn persönlich dazu bewegte Veganer zu werden. Außerdem zeigte er noch einen Ausschnitt aus Plastic Paradise und ein Kampagnenvideo von Bernie Sanders, dass als virales Video mit 50 Millionen Views ungeheuer erfolgreich und effektiv gewesen ist.

Die Frage sei, so Viktor, wie man abstrakte politische Themen so präsentieren kann, dass sie in der Lage sind heftige körperliche Reaktionen auszulösen, die bei vielen Menschen der entscheidende Auslöser sein könnten, dass sie sich politisch engagieren.

Den Abschluss des Vortragsteils machte Johannes Hummler (DiEM25), der das »Theater der Unterdrückten« von Augusto Boal vorstellte. Mitgebracht hatte er die ägyptische Choreographin, Tänzerin und Schriftstellerin Nora Amin , die bei Augusto Boal studiert hat.

Johannes legte zuerst das theoretische Fundament und stellte verschiedene Formen des »Theaters der Unterdrückten« (Zeitungstheater, Unsichtbares Theater, Forumtheater und legislatives Theater) vor.

Nora Amin erzählte uns anschließend von ihrer Arbeit in Ägypten, in der es u.a. darum ging Menschen (SpectActors) in einer spielerischer Form mit ihrem Unterdrücker zu konfrontieren. Als Beispiel wurde u.a. eine Situation genannt in der ein Kind seinem gewalttätigen Vater gegenübertreten muss. Die gewaltige Wirkkraft, die das »Theater der Unterdrückten« auch auf legislative Prozesse haben kann, kann hier in Kürze nicht ansatzweise adäquat wiedergegeben werden. Wer sich mehr für das Thema interessiert, kann über die unten genannten Kommunikationswege das Protokoll bekommen.

Die TeilnehmerInnen waren nach soviel Input erstmal erschlagen und so fuhren wir mit dem zweiten Teil – die Suche nach einer gemeinsamen Arbeitsmethode/-grundlage – erst nach eine längeren Pause fort.

Grundsätzlich wurde darüber diskutiert ob es nicht den kreativen Spielraum einschränkt, wenn man künstlerische Aktionen in den Dienst einer politischen Bewegung stellt. Grundsätzlich sehe ich persönlich auch die Gefahr oberflächliche Kunst zu machen, wenn man in der Aktionsplanung zu eindimensional denkt. Trotzdem glaube ich, dass man Creative Resistance – wenn man sie als erweiterte Medienstrategie betrachtet – als cleveres Tool zur Kommunikation jenseits der Aktivisten-Bubble benutzen kann. Wir einigten uns darauf, dass wir eine gemeinsames Thema aus dem Ideenspektrum von DiEM25 auswählen und dann eine Form oder Methode finden, wie wir zu diesem Thema eine wirksame Aktion durchführen können.

Wir werden nun Ideen und Konzepte über unsere Mailingliste oder im Mattermost-Forum auszutauschen und wollen unbedingt andere DiEMer (und alle Anderen die an kreativem Widerstand interessiert sind) in diesen Prozess einbinden.

Hast du eine Idee oder möchtest du beim nächsten Treffen dabei sein? Möchtest du in den Creative Resistance Mailingverteiler? Schreib eine e-mail an david.schwertgen@de.diem25.org oder kontaktiert mich auf twitter. Mehr Infos gibt es auch im Mattermost-Team des DSCs Berlin im Channel “art not art”.

Mehr Infos zu unserer Kommunikationsplattform Mattermost gibt es hier.

Den Termin für die nächsten Session findet ihr auch im Kalender.