Wir bei DiEM25 wollen Europa verändern. Wir wollen ein demokratischeres, solidarisches und visionäres Europa. Um dieses Ziel konkret zu machen, entwickeln wir eine Progressiven Agenda für Europa. Derzeit arbeiten DiEM-MitgliederInnen in allen Teilen Europas auf Grassroots-Ebene an den 7 Säulen (oder Pillars). Einige Themen sind schon weit fortgeschritten, wie zum Beispiel der European New Deal, an anderen wird mit Hochdruck gearbeitet.

Die 7. Säule von DiEM ist Technologie oder “An Internet of People”. Auf DiEMs zweiten Geburtstag, am 10. Februar, haben Renata Avila und Christoph Schneider das thematische DSC “Democratic Technologies” ins Leben gerufen. Und weil es jetzt um diese siebte Säule gehen soll, brauchen wir erstmal ein Bild einer gerasterten Schaufensterfigur, durch die Einsen und Nullen strömen.

Warum Technologie, mag sich die Eine oder der Andere fragen. Was gibt es denn da zu entwickeln? Wenn der deregulierte Kapitalismus eines kann, dann doch Innovationen am Fließband herstellen. Nun, während man tatsächlich konstatieren könnte, dass an Smartphones, selbstfahrenden Autos, HD-Displays und spezialisierten Künstlichen Intelligenzen (Alexa, Siri etc.) kein Mangel besteht, könnte man dennoch die Frage stellen, zu welchem Preis dies geschieht. Und ob die Technologien wirklich sinnvoll eingesetzt werden oder nicht doch weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben.

Ein Beispiel, das seit einigen Tagen durch die Nachrichten geistert, ist das sogenannte “Datenleck” von facebook, das von der Firma Cambridge Analytica zur Wahlmanipulation genutzt wurde. “Datenleck” deswegen in Anführungsstrichen, weil es sich wohl weniger um ein “Leck” handelt, als um das grundlegende Design von facebook und Hunderter andere Silicon-Valley-Firmen.

Das Geschäftsmodell von Facebook ist es, die Aufmerksamkeit seiner Nutzer möglichst zielgenau an Werbekunden zu verkaufen. Dafür will der Datenkonzern gläserne Nutzer, die selbst im Dunkeln tappen. Das Unternehmen setzt darauf, so viele persönliche Informationen wie möglich zu gewinnen, während Betroffene nicht ansatzweise darüber aufgeklärt werden, was mit ihren Daten passieren könnte.
Ingo Dachwitz

Viele Mainstream-Medien kaprizierten sich in ihrer Berichterstattung darauf, eine schurkenhafte Firma oder gar “den Russen” als Schuldigen zu identifizieren, während selbst leitende Silicon Valley-CEOs nicht mehr bestreiten, dass das Problem wesentlich tiefer liegt und strukturell bedingt ist.

In wenigen Wochen wird die Zahl der bei facebook angefragten Personal Data und Profillöschungen wieder zurückgehen. Wenn sich die Aufregung gelegt hat, wird wieder zum Business as Usual übergegangen. Oder?

Wir bei DiEM25, im thematischen DSC “Democratic Technologies”, diskutieren derzeit heiß, wie dieses Problem plastisch dargestellt, verstanden und adressiert werden kann. Ist es die Sache der Nutzer, to Opt-Out, einen aktiven Widerspruch einzulegen? Oder müssen Regierungen ihre BürgerInnen schützen?
Anleitungen zur digitalen Selbstverteidigung gibt es viele (Data Detox Kit, Digitalcourage) und wir raten auch generell dazu, sich mit diesen vertraut zu machen. Auch innerhalb DiEMs ist der Gebrauch von sicherer Technologie noch lange nicht selbstverständlich.

Viele Stimmen warnen aber auch davor, dass dies ein Kampf David gegen Goliath sei – mit der Data-Detox-Steinschleuder gegen ein ganzes Valley voll von High-End-Spezialisten. Und auf Seite der EU-Regierungen scheint beim Stichwort Cybersecurity eher dieses Bild aufzupoppen:

Das Regulierung wünschenswert und funktional ist, zeigt zum Beispiel die GDPR – General Data Protection Regulation, die am 25. Mai in Kraft tritt. Danach müssen Firmen z.B. offen und gut verständlich über die stattfindende Datensammlung und -verwendung (Name, Adresse, IP-Adresse, Aufenthaltsdaten etc.) Auskunft geben. Sie müssen erklären warum sie diese Daten sammeln und zu welchen Zwecken diese benutzt werden. Die VerbraucherInnen haben das Recht diese Daten einzusehen und ggf. zu korrigieren. (Übersicht)

Wenn die Regulation konsequent angewandt wird, dürfte es deutlich schwieriger sein, ein dubioses, auf Datenhandel und Advertisement basiertes, Business-Modell aufrecht zu erhalten. Auch die USA ist nicht so unreguliert, wie es den Anschein hat. Es wird kolportiert, dass die FTC Strafen von 40.000 US-Dollar pro Einzelfall (im Cambridge Analytica-Skandal) verhängen kann, was “theoretisch auf eine Gesamtsumme von zwei Billionen US-Dollar hinauslaufen könnte.”

Wir bei DiEM25 glauben, dass dies erst der Anfang ist. In unserem thematischen DSC “Democratic Technologies” arbeiten wir an den Regulierungen der Zukunft. – Eine Zukunft in dem ein dezentralisiertes, sicheres und transparentes Internet existiert, dass seine NutzerInnen nicht zum Produkt macht. Wie so eine Regulierung aussehen könnte? Hier sind ein paar gute Vorschläge. Und hier noch ein Bild von Programmcode im Matrix-Look:

Wir haben uns viel vorgenommen und brauchen noch MitstreiterInnen. Wer mitmachen will, findet mehr Infos im Mattermost-Team des DSCs Berlin im Channel “P7 Technology” , schreibt eine e-mail an berlin1dsc@de.diem25.org oder kontaktiert mich auf twitter.

Mehr Infos zu unserer Kommunikationsplattform Mattermost gibt es hier.

Zum Kalender geht es hier entlang.

Bildnachweise:

Cybersecurity Partnership by Merril College of Journalism – CC-BY-NC (flickr.com/photos/umdnews/7562831366)
Data Thief – Hacker – Cyber Criminal by Blue Coat Photos – CC-BY-SA (flickr.com/photos/111692634@N04/15855653380)
Rootkit code by Christiaan Colen – CC-BY-SA
(flickr.com/photos/christiaancolen/21159540915)